Auch wenn der „offizielle Pride Monat“ Juni vorbei ist, macht es vermutlich mehr Sinn, über die Pride Season zu sprechen, denn Pride Paraden und CSDs finden noch bis August in verschiedenen Städten der Welt statt. Mein diesjähriger CSD Kalender sieht noch Berlin und Nürnberg als feste Termine vor.

Die Berliner CSD Parade war letztes Jahr meine erste Pride, gemeinsam mit meiner Partnerin. Deswegen ist mir die Parade in der Hauptstadt irgendwie besonders wichtig. Das liegt aber auch daran, dass ich auf einen Block im Demo Zug gestoßen bin, der das Politische und den Demonstrationsaspekt an Pride noch sehr ernst genommen hat. Dieser intersektionale, antirassistische Block war außerdem ein Space in der Parade, in dem ich mich safe und wohl gefühlt habe. Diesen Block wird es dieses Jahr leider nicht geben. Stattdessen freue ich mich auf den trans*Block, in dem ich mitmarschieren werde. Darüber hinaus wird zum Berliner CSD an kommenden Samstag 18 Uhr auf dem Mariannenplatz ein Radical Queer March stattfinden – mehr Demo, weniger Kommerz, radikale Unangepasstheit mit aktuellen queerpolitischen Forderungen im Fokus. Ich denke es ist klar, wo ich zu finden sein werde.
In Nürnberg werde ich sein, weil mich Tessa Ganserer (Deutschlands erste trans*Landtagsabgeordnete) persönlich eingeladen hat, auf der Parade am 3. August dort zu spielen. Wer also zur Pride in Nürnberg ist, ihr findet mich auf dem Wagen der GRÜNEN, deutlich erkennbar an der guten elektronischen trans*Musik, die ich da spielen werde. Eine weitere Empfehlung für diejeinigen, die es nicht nach Nürnberg schaffen, weil sie eher im Norden wohnen ist der CSD Hamburg. Die Gruppe enby:galactic + trans:tastic, der ich sehr nahe stehe, organisiert zum Dyke March am 2. August und zur Hauptparade am Tag danach jeweils einen nonbinary_genderqueer_trans Block für trans*inter*enby Leute und Verbündete unter dem Motto „talk – hold – fight – together we survive“. Es geht um die Möglichkeit sichtbar zu sein, bei gleichzeitig größtmöglicher Sicherheit auf so einer öffentlichen Demo. Es wird ein Sicherheitskonzept geben, dass auch mitunter problematische Toilettengänge mit einschließt.
Zu letzt noch etwas ernstere Nachrichten aus Polen: Anlässchlich der Pride Saison haben konservative Gruppierungen ganze Städte zu LGBTQIA+ freien Zonen erklärt. Das zeigt, wie wichtig der Widerstand gegen queerfeindliche Strömungen auch direkt vor der eigenen Haustür ist. Der Umstand, dass die AfD in allen deutschen Parlamenten und im Bundestag sitzt, dass die erzkonservativen CDU und CSU immer wieder regressive Vorstöße gegen fundamentale Rechte queerer Menschen unternehmen (siehe Episode 4 – Serious Talk), aber auch schlicht Empathie und Solidarität mit queeren Geschwistern in Polen sollten uns daran erinnern, dass wir uns nicht auf den Erfolgen der Schwulen- und Lesbenbewegungen der letzten 30 Jahre ausruhen, sondern dass Widerstand nach wie vor real und notwendig ist.
